Thomas Isenberg

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Holocaust-Mahnmal schnell wiederherstellen

Nicht ganz fünf Jahre nach der Eröffnung des Holocaust-Mahnmals in Berlin sind rund zwei Drittel der Stelen eingerissen oder auf andere Art beschädigt. Der Winter wird den Reparaturbedarf noch einmal erhöhen. Der Architekt findet dies aber normal.

Schon 2008 waren erste Risse festgestellt worden, über ein geeignetes Reparaturverfahren bestand nach ersten Tests keine Einigkeit. Auch scheiterte der Versuch einer außergerichtlichen Einigung zwischen allen Verantwortlichen, wozu es auch ein Gutachten geben wird, die sowohl die Verantwortung für die schäden klärt als auch Wege zu deren Behebung aufzeigt. Holocaust-Mahnmal-Architekt Peter Eisenman reagierte auf die Schadensmeldung nach Angaben der Stiftung „nicht schockiert“, sondern findet es normal, dass Beton Risse bekommen könne.

Der aus einem Stelenfeld bestehende Entwurf des New Yorker Architekten Peter Eisenman wurde angenommen, jedoch in der folgenden Zeit mehrfach verändert. So wurde er auf Betreiben von Michael Naumann um ein unterirdisches Museum (zunächst Haus der Erinnerung, später Ort der Information genannt) ergänzt, die Anzahl der Stelen wurde reduziert und es wurden – gegen den Willen Eisenmans – auf Vorschlag von Bundeskanzler Helmut Kohl vierzig Bäume zur Gestaltung des Übergangs in Richtung Tiergarten vorgesehen.

Im Juni 1999 beschloss der Deutsche Bundestag den Bau des Denkmals. Kosten von 54 Mio. Mark (ca. 28 Mio. Euro) wurden für die Errichtung des Denkmals und des angegliederten Museums eingeplant, hinzu kamen Spenden von Privatpersonen. Der Bau der Gedenkstätte begann 2003.

Bereits im Oktober 2003 kam es zu einer Unterbrechung der Arbeiten, als bekannt wurde, dass für den Schutz der Stelen vor Graffiti ein Anstrich der Degussa AG verwendet werden sollte. Die Degussa-Tochter Degesch hatte während der Zeit des Nationalsozialismus das Giftgas Zyklon B hergestellt, das in den Konzentrationslagern zur Ermordung von Juden eingesetzt wurde. Letztlich beschloss das Kuratorium der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas den Weiterbau mit weiterer Beteiligung der Degussa. Am 12. Juni 2004 war der Rohbau des Ortes der Information fertiggestellt, inzwischen stand circa die Hälfte der insgesamt 2711 Stelen. Beim Richtfest waren neben den Stiftungsmitgliedern und dem Architekten Peter Eisenman zahlreiche Vertreter der Presse anwesend. Ein Teil des Stelenfeldes war erstmals für die Öffentlichkeit begehbar. Mit der Einrichtung der Ausstellung am Ort der Information wurde Ende 2004 begonnen, die Eröffnung des Denkmals und des Orts der Information fand am 10. Mai 2005 statt.

Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas weist an mindestens 1900 der insgesamt 2711 Betonstelen Risse und andere Beschädigungen auf. Weitere Schäden werden aufgrund der langen Frostperiode in den vergangenen Monaten erwartet. Wie viele Stelen aktuell betroffen sind, ist noch unklar. Dazu laufe derzeit eine interne Bestandsaufnahme, heißt es von Seiten der Stiftung Denkmal.

Thomas Isenberg: „In Anbetracht der Bedeutung dieses Bauwerks und der deutschen Verantwortung am Holocaust muß es Aufgabe des Bundes sein, hier schnellstens für die Beseitigung der Schäden zu sorgen. Es handelt sich um ein Mahnmal, das auch für die Generation, die den Holocaust nur aus den Geschichtsbüchern kennt, einen wichtigen Ort der Information darstellt.“

letzte Änderung am: 17.03.2010 von | Kategorie(n): Aktuell, Vor Ort

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